Angstzustände und Panikattacken

Hallo und herzlich Willkommen! Dieser Beitrag ist mein persönlichster und emotionalster. Ich hatte Scheu und Scham über Ängste zu schreiben, weil das mein größtes Thema im Leben ist. Nicht war, sondern immer noch ist! Über Depression zu schreiben und meine Erfahrungen zu teilen, fällt mir wesentlich leichter! Da für mich meine Depressionen (die akuten Phasen) zwar fürchterlich sind, mein Leben in einen Stillstand versetzt, quälende Gedanken Tag und Nacht kreisen und jeder Tag gefühlt 76 Stunden hat, weiß ich, es geht vorbei! Wenn nötig, mit einer Dosis-Anpassung meiner Glückspillen. Es dauert dann einige Wochen, bis ich mich deutlich stabiler fühle, aber die Zeit ist überschaubar. Anders verhält es sich mit der Angst!

Seit ich mich zurück erinnern kann, war ich schon immer etwas unsicher und ängstlich! In einem gewissen Maße ist das auch ganz natürlich! Jeder kennt Angst oder Situationen wo er schon mal Angst erlebt hat! Angst ist eine Schutzfunktion, damit wir in lebensbedrohlichen Momenten-flüchten, kämpfen oder sich totstellen. Adrenalin schießt durch unseren Körper, um uns zu schützen und die oben genannten Reflexe einzusetzen. Beispiel: kommt ein Auto mit 100 Sachen angerast, während du die Straße queren möchtest, springst du zurück um nicht überfahren zu werden. So schützt uns unser Alarmsystem, denn wenn da unser rationales Denken funktionieren würde, wären viele nicht mehr bei uns. Somit hat Angst eine Berechtigung und ist wichtig.

Bei Angststörungen ist es quasi eine Daueralarmbereitschaft, was im schlimmsten Falle zu Panikattacken führen kann, da sich die permanente Anspannung entladen muss. Jeder der schon mal mindestens eine Panikattacke hatte, weiß wie schlimm und prägend dieser Zustand ist. Mit der Angst vor der Angst, ist die Kontrolle eng verbunden. Denn nur wenn ich meine Angst immer im Blick habe, kann ich eine Attacke verhindern -so, oder so ähnlich, denken die meisten Betroffenen. Was wiederrum enorm viel Anspannung und Energie kostet. Man versucht alle panikauslösenden Orte und Plätze zu vermeiden. Ein Leben findet nur noch mit großem Kraftaufwand statt. Ein Treffen mit Freunden wird meist mit den phantasiereichsten Ausreden verschoben, weil die Angst einer Attacke zu groß ist. Wenn dann nur an Orten wo man sich sicher fühlt und das am Besten in Bewegung. Still sitzen in einer Bar, gemütlich einen Kaffee trinken gehen, nett essen in einem Restaurant, für viele nicht machbar. Auch einkaufen gehen ist anfangs sehr schwierig und dann soll bitte keine Schlange vor der Kasse stehen. Sofort setzen Fluchtgedanken ein und die Spirale der Angst beginnt sich wieder zu drehen. Viele Menschen mit Angststörungen verlassen ihre Wohnungen kaum mehr. Aus Scham und Angst vor Angst – nicht selten mündet dies in eine Depression!

Mit jungen 20 Jahren begann mein Alptraum. Gerade die erste Attacke war für mich extrem heftig. Ich wollte mich gerade schlafen legen, als mich Herzrasen, das Gefühl zu ersticken, Zittern, Übelkeit, Schweißausbrüche, Gefühl der Depersonalisierung und diese übergroße irrationale Angst mich durchschüttelten. Ich bin die ganze Nacht in der Wohnung auf und ab gelaufen, habe mich nicht getraut ins Krankenhaus zu gehen. Ich hatte so Angst verrückt zu werden/sein. Ich konnte diese heftigen Symptome nicht einordnen. Es war so schlimm, dass ich mich heute noch ungern daran zurück erinnern möchte. Ab diesem Zeitpunkt folgten täglich mehrere Attacken. Das einzige was ich damals wollte – nach Hause zu meiner Mama, wo ich in Sicherheit war. Einen Monat später, zog ich wieder nach Hause und dieses verließ ich Wochen nicht mehr. Schon der Griff zur Türklinke, um spazieren zu gehen, UNMÖGLICH. Die Angst hatte mich voll im Griff und der Teufelskreis – Angst vor der Angst begann. Nach Wochen schleppte mich meine Mum zum Hausarzt, für mich fast unerträglich. Ich hatte so Angst vor einer geistigen Erkrankung, genauer gesagt Schizophrenie, dass es noch vor dem „Grüß Gott“ aus mir herausplatzte – „Herr Doktor, bin ich schizophren“? Nach einem Gespräch, hat er mir des Öfteren versichern müssen, dass ich diese Erkrankung nicht hatte. Er gab mir die Überweisung zum Psychiater, der mir Antidepressiva gab, die ebenso angstlindernd waren. Ich habe mich so geschämt, dass ich selbst dem Psy. bei den weiteren Kontrollen sagte, es ginge mir besser. Die Tabletten haben kaum gewirkt, so mächtig war meine Angst mittlerweile geworden. Und da ich mir einredete, dass mir niemand helfen kann, weil ja noch nicht mal die Tabletten richtig halfen, wurde ich Meister im Überspielen. Ich habe mir eine Dauer-Grinsefresse verpasst, damit niemand meine Angst sehen konnte. Zu groß war die Scham. Und wenn ich mal jemanden erzählte, dass ich Angstzustände habe, wurde das mit einem, ‚vor was hast DU Angst‘? Ich konnte die Frage nie so recht beantworten, denn es wäre nur eine Antwort für mich richtig gewesen – vor Allem! Und bevor ich dann Sprüche wie – dass redest du dir nur ein, oder, ist alles Kopfsache – gehört hätte, hab ich das Gespräch schnell umgelenkt bzw geschwiegen. Denn keiner sieht sie! Und so lernte ich, im Stillen zu leiden.

Bis Oktober 2008 bin ich mit meiner „Frohnatur“ Maske halbwegs gut durchgekommen. Viel Arbeit (je mehr desto besser- lenkt super ab), Stress, Allein sein, Depressionen und die andauernde Anspannung, nicht entdeckt zu werden (also meinen ängstlichen Teil) zwangen mich zu Boden, wo ich einige Zeit liegen blieb. Ich ging für 3 Wochen in die Psychiatrie, wo ich wieder auf Antidepressiva eingestellt wurde und ich hatte viele Therapien, die phantastisch waren. Nach 2 Monaten ging ich wieder arbeiten und nach 3-4 Monaten war ich wieder richtig stabil und frei von Panikattacken. Lange Zeit habe ich täglich mit mir gearbeitet, ging zur Psychotherapeutie, um stabil zu bleiben. Nur meine tiefsitzenden Ängste blieben. Nach einigen Therapiesitzungen, wurde mir vieles bewusster und klarer. Vermutlich rühren meine tiefen Ängste aus der Kindheit, wo ich ein Defizit in puncto Urvertrauen habe.

Auch meine Reizschwelle was Stress betrifft, ist tendenziell niedriger als bei Gesunden, so wurde mit das von Fachärzten erklärt. Darum können bei mir, Stress, negative aber auch positive Situationen in Überforderung umschlagen und Depressionen, Angstzustände und Panik auslösen.

Ich hatte schon lange keine schwere Panikattacke mehr – meine Ängste sind jedoch noch immer ein Teil von mir – mal klein und leise, mal groß und laut!

Was hilft mir: Familie und Freunde, Akzeptanz, Selbstfürsorge, Achtsamkeit, Entspannung, die Natur, Bilder kreieren, schreiben,….und SELBSTLIEBE!

Dazu folgen noch Beiträge!

Let it flow, deine Katrin

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