„Bleib bei dir!“

Hallo und herzlich Willkommen! Schön, dass du da bist! Heute teile ich mit dir ein bisschen meine letzten Tage – meine Gefühlslage – meine aktuelles Befinden! Der Sinn dahinter ist, dass du dir vielleicht einiges davon mitnehmen kannst!

Zugegeben, mich hat es ganz schön umgehauen. Der Krieg in der Ukraine hat auch bei mir einige Gefühle in Wallung versetzt – nicht nur das – es hat ein altes Muster von mir ganz schön getriggert! Aber alles der Reihe nach!

Die aktuelle Situation ist für uns alle ein sehr heftiges Thema. Fassungslosigkeit, Traurigkeit, Angstgefühle, Ohnmacht, Hilflosigkeit und die Ungewissheit – ein Sammelsurium von Gedanken und Gefühlen überschwemmt viele von uns. Auch ich habe alle diese Gefühle erlebt. Obwohl ich wenig Nachrichten konsumiert habe – ist mir das Leid der Menschen so richtig fett eingefahren! In mir schrie alles auf – NEIN, das darf nicht sein. Die armen Menschen. Man muss ihnen helfen. ICH MUSS IHNEN HELFEN.

Ich habe Hygienepakete und Geld gespendet – dennoch blieb ein sehr fahler Beigeschmack – das ist ZU WENIG! Hilflosigkeit und Ohnmacht haben mich ganz schön einvernommen und DAS SCHLECHTE GEWISSEN! Mein „Weltretter-Modus“, mein „Mutter Theresia 2.0-Modus“ sind schön auf Touren gekommen.

Ich bin herumgetigert auf der Suche was ich noch spenden kann, wie ich noch helfen kann. Entspannung und Achtsamkeit – FEHLANZEIGE. In meinem Kopf war nur eines präsent – HELFEN.

Nicht nur die Einsicht, dass ich nicht das Leid der Menschen beenden kann, war schmerzhaft. Nein! Dazu kam noch ein „ICH DARF ES MIR JETZT NICHT GUT GEHEN LASSEN, WENN ANDERE SO LEIDEN!“ und dieser Gedanke und dieses Gefühl haben ordentlich gearbeitet in mir. Ich die Predigerin von „SELFCARE“ – rassel mal volle Kanne ins MITLEID! Mir war das bewusst, dass das was ich da gerade fabriziere, KEIN MITGEFÜHL mehr ist – sondern MITLEIDEN vom Feinsten. Und dennoch ist es mir nicht gelungen es abzustreifen!

Gestern, Freitag habe ich nach einigen Wochen GOTT SEI DANK wieder Therapie gehabt. Die Eröffnungsfrage meines Therapeuten (wie immer): „Wie geht´s dir?“ Ich hab den Blick abgewandt und gesagt: „Beschissen. Nein beschissen stimmt auch nicht. Ach ich weiß es nicht!“ und ZACK meine Tränendrüsen haben mal wieder gezeigt, was sie drauf haben. Ich hab fast die ganze Sitzung über geweint. Ich war so voll von Traurigkeit und meinem schlechten Gewissen und meiner Hilflosigkeit, dass das alles raus MUSSTE. Zuhause hab ich mich bemüht – meinem Sohn zuliebe – so gut es ging, den Alltag normal laufen zu lassen. Jetzt brach wirklich viel aus mir raus. Ich fühlte mich seit Tagen schon schlecht – Kopfschmerzen, überlastet, energielos,…, und doch getrieben – zu helfen + MITLEID!

In der Sitzung – mein Therapeut kennt mich und meine Geschichte schon gut – hat er mir erklärt warum das bei mir so ausgeprägt ist. Klar geht es wieder um einen kindlichen Anteil in mir – nämlich den – der nicht wohlwollend unterstützt worden ist. In meinem Fall geht es um meinen Vater, der nur dann wohlwollend war, wenn es IHM GUT GING. Wenn er überfordert war oder was auch immer (ich kann ihn ja nicht mehr fragen), hat er das auch mich/uns spüren lassen. Frei nach dem Motto – „geht es mir nicht gut, darf es dir auch nicht gut gehen!“ Das ist bei mir ganz dick und fett abgespeichert.

Und genau dieses Muster ist in mir wieder aufgebrochen. Als feinfühlige und empathische Frau, ist es für mich ohnehin schon schwierig genug, die für mich „verträgliche Dosis“ zu finden – und dann noch diese kindliche Speicherung in mir – sehr herausfordernd und aktuell sehr überfordernd.

EIN AUSZUG MEINER THERPIESTUNDE:

Abgrenzung – Differenziere das Leid anderer mit deinem eigenen! Fragen, wie „ist das jetzt MEIN LEID?“ „Ist es für mich förderlich, das Leid zu meinem zu machen?“ „Ergibt das Sinn?“ „Welche Möglichkeiten (realistische und gesunde) zur Unterstützung habe ich?“ „Brauch ich das in meinem Leben noch?“ „Wo liegen DEINE Grenzen!“

Erlaubnis – du darfst es dir gut gehen lassen, auch wenn es anderen schlecht geht“ – das sagte mein Therapeut zu mir! Er sagte: „schau du kannst gerne – wenn du das brauchst und es dir wichtig ist – in Flüchtlingslagern helfen! Vielleicht brauchst du die direkte Konfrontation und die Arbeit dort, damit du dich 1. besser abgrenzen lernst. 2. Aktiv Hilfe bietest. Meine Antwort war: „Nein, ich brauch das nicht! Und außerdem halte ich das Leid nicht aus!“ Er sagte: „das ist eine ehrliche und ganz klare Antwort. Dann bleib bei dir!“ „Du brauchst dich damit nicht auseinander zu setzen, wenn du das nicht kannst (zu viel ist und du selber davon krank wirst) und du das nicht möchtest! das hat doch keinen SINN!!!“ Ich sagte: „Ja ich versteh das vom Verstand her – aber warum fühle ich mich dann so schlecht dabei? Warum habe ich so einen inneren Konflikt in mir?“ ER: „Der Konflikt in dir ist, weil das Muster (der nicht wohlwollende Vater) sich mit deinem erwachsenen ICH kreuzt! Du glaubst, dass es dir nicht gut gehen darf – weil du das so verinnerlicht hat. Der wohlwollende Vater würde dir sagen und zeigen – dass es ihm wichtig, ist dass es dir gut geht! Dein JETZIGES schlechtes Gewissen, ist aufgrund dessen entsprungen. Du hast mir aber grade ehrlich gesagt (als Erwachsene) – ich kann das nicht und ich möchte das nicht! Und das ist EHRLICH! du brauchst das auch nicht wollen oder können, wenn es eben nicht so ist! ALSO – BLEIB BEI DIR!“

Es hallt noch ordentlich nach in mir und das ist ganz normal! Ganz allmählich ebbt das heftige Gefühl ab, meine Gedanken werden wieder langsamer – Es ist ein Prozess 😉!

Es geht um EHRLICHKEIT – KLARHEIT – AUTHENTIZITÄT um innere Konflikte zu vermeiden!

Es gibt kein RICHTIG ODER FALSCH – es geht um das, ob es ich für DICH (MICH) STIMMIG anfühlt!

und wie bei allem, wirst du NIE mit allen Menschen eine gleiche Ansicht, Meinung oder Einstellung haben! Bei Kritik oder Anfeindung deiner für dich stimmigen Meinung – ES IST NICHT DEIN PROBLEM! Vielleicht braucht jemand anderer das aktive mithelfen oder demonstrieren oder sonst was – völlig egal – BLEIB BEI DIR! Bei deiner Ehrlichkeit, deiner Klarheit, deinen Grenzen, deiner Authentizität. Alles was für dich stimmig ist! Für DICH darf es passen!

Vielleicht kannst du dir aus meinem Beitrag was für DICH mitnehmen!

Bleib achtsam und LET IT FLOW, deine Katrin 💚

PS. Die Psychodynamik hinter verschiedensten Verhaltensmustern ist sehr komplex. Es ist meine Psychodynamik die ich hier beschrieben habe – bei dir kann ganz was anderes dahinterstecken! Dafür darf und kann ich dir keine Hilfestellung geben – NOT MY BUSINESS! Dennoch BLEIB BEI DIR!

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